(Fotos: Gilbert Brockmann)

 

Montag

17.12.2018

09:43:26


(Fotos: Gilbert Brockmann)

 

 

 

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Initiative für eine bienenfreundliche, blütenreiche und gentechnikfreie Landschaftsgestaltung


Blütenbesuchende Insekten erfüllen eine zentrale Aufgabe in der lebendigen Welt:                                                          

Etwa 80% der Blühpflanzen sind auf Fremdbestäubung angewiesen. Damit Biene, Hummel & Co. diese komplexe Bestäubungsleistung vollbringen können, brauchen sie vor allem Nahrung.
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Honigbienen am effektivsten gemeinsam mit Wildbienen arbeiten. Da Schmetterlinge, Hummeln und andere Wildbienen oft nur wenig bis gar keine Futtervorräte anlegen, benötigen gerade diese Blütenbesucher einen permanenten Pollen- und Nektarstrom von Blühpflanzen.

 

In den letzten Jahren haben sich die Lebensbedingungen für Biene, Hummel & Co. gravierend verändert.
Als Hauptgrund für das Bienensterben wird von der Industrie die Varroamilbe genannt. Damit will man über die Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel und den Nahrungsmangel hinwegtäuschen.
Eine Untersuchung des Bieneninstitutes Celle hat gezeigt, dass die Bienensterblichkeit bei Konfrontation mit einem Neonikotinoid in Kombination mit Pollenmangel signifikant steigt. Daraus resultiert die Forderung nach Verbesserung der Pollenmenge und der Pollenvielfalt.
 

Naturschutz fängt im Kindesalter an

 

Im März 2014 veröffentlichten Forscher der Freien Universität Berlin und des Institutes für Bienenkunde der Uni Frankfurt am Main ihre Ergebnisse im Zusammenhang mit den Auswirkungen von Neonikotinoiden. U.a. stellte sich heraus, dass Bienen den Heimweg nicht finden und die Gehirnprozesse Wahrnehmen, Lernen, Erinnern, Orientieren, Navigieren und Kommunizieren gestört werden.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft blüht weniger und weniger in Feld und Flur. Ab Ende Mai versiegt mit der großflächigen Mahd von blühenden Löwenzahnwiesen vielerorts der Futterstrom. Für die Blütenbesucher herrscht nun in vielen Landstrichen von Juni bis Oktober Futterknappheit bzw.  -eintönigkeit. 
So sind inzwischen über die Hälfte der einheimischen Wildbienen auf der Roten Liste oder schon ausgestorben.
Teils müssen die Bienenvölker sogar im Sommer gefüttert werden. Ohne Bestäubungsinsekten gäbe es aber einschneidende Veränderungen bei Obsternte, Gemüseanbau, einigen Kulturpflanzen in der Landwirtschaft, der Artenvielfalt bei Wildpflanzen, der Nahrungskette für Wildtiere, etc. 

Diese vielfältigen Probleme haben den Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker dazu motiviert, auf dem Apisticus-Tag 2012 in Münster seine Initiative „Blühendes Band durch unser Land“ ins Leben zu rufen. 

  

Bienenvölker im Staudengarten
 

Neben aktuellen Forschungsergebnissen zu den Risiken von Pflanzenschutzmitteln (insbesondere Neonikotinoide und Glyphosat) und den Problemen der Agro-Gentechnik interessieren uns in unserem Fachbereich „Bienenweide, Umwelt- und Naturschutz“ die vielfältigen Möglichkeiten, in zahlreichen verschiedenen Bereichen durch die Verwendung gebietseigener Pflanzen eine deutliche Verbesserung der Nahrungsgrundlage für alle Insekten und Wildtiere zu erreichen.

Die Landwirtschaft als Gestalter einer artenreichen und blühenden Kulturlandschaft im Bereich von Ackerflächen und Dauergrünland wird ebenso betrachtet wie die Pflanzung von Feldgehölzen und Hecken in der freien Landschaft und Möglichkeiten der Verbesserung der Artenvielfalt im Obst- und Waldbau.
Die Nutzung der urbanen Vielfalt in Städten und Gemeinden steht unter dem Motto „Öffentliches Bunt“ mit seinem Nachahmungseffekt für Privatgärten. Die Möglichkeiten der Gestaltung von Naturgärten reicht bis in kleinste Bereiche wie die Bepflanzung von Balkonen und Blumenkübeln. 

Durch Vorträge und Info-Stände möchten wir möglichst viele Interessengruppen wie z.B. Landwirte, Jäger, Obst- und Waldbauern, Vertreter von Städten und Gemeinden, Kleingärtner, GaLa-Bauer und Privatpersonen zur Mitarbeit bei unserer Blühinitiative anregen.

 

Blühfläche Wiblingwerde - unser Pilotprojekt für das Sauerland

 

 Zahlreiche Beispielprojekte zeigen erste Erfolge und liefern praktische Erfahrungswerte (Versmolder Blüten-Mehr, Ravensberger Lichtlandschaften, Blütenreichtum in Welver, Initiative der Siegener Zeitung mit dem Imker Hartmut Denker, Blühinitiative des Salzuflener Imkervereins, Klimaschutzpreis für Dattelner Imkerin Irene Schäfer für ihre Blühfläche).
Ein interessantes Beispiel kommt aus Düsseldorf, hier hat der Golfclub Hubbelrath auf seinem Golfplatz das artenreichste Stadtbiotop Düsseldorfs geschaffen. Das Projekt „Wildpflanzen als Energiepflanzen“ der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim unter der Leitung von Werner Kuhn sowie das Netzwerk Lebensraum Feldflur machen Hoffnung auf Blühflächen in der Landwirtschaft.

Die Ende 2013 entstandene Zusammenarbeit mit der im Bienennetzwerk Ruhrgebiet verankerten RAG Montan Immobilien, die unter dem Motto „Fläche sucht Imker“ riesige alte Bergbauflächen im Ruhrgebiet renaturieren und mit Bienenvölkern bestücken will, eröffnet hinsichtlich der Verbesserung der Bienenweide ungeahnte Möglichkeiten. 

 

 

Blühfläche Wiblingwerde - mehrjährige Saatgutmischungen im Test
 

Das bundesweite Projekt „Bienen machen Schule“ von Mellifera e.V., einer Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung, fördert durch die Arbeit mit Bienen und Kindern den Zugang zum Naturschutz im Kindesalter.

Mit unserer Bienen-AG „Scholli-Bees“ am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid möchten wir den Fachbereich Imkerjugend unterstützen und die Zusammenarbeit von Imkerinnen und Imkern mit Lehrerinnen und Lehrern zu einem festen Bestandteil der Arbeit im Landesverband machen.


Vom Jahr 2015 an wird der Landesverband die Ausbildung zum Bienenweidefachberater anbieten. Die Bienenweidefachberater, die es in Zukunft möglichst in jedem Kreisimkerverein in Westfalen-Lippe geben soll, werden durch ihr Fachwissen nicht nur Imkerinnen und Imker beraten, sondern auch die Kontakte zu allen Interessengruppen vor Ort praxisnah pflegen.
Die Ausschreibung für den entsprechenden Lehrgang sowie das Anmeldeformular sind auf der Homepage im Fachbereich Bienenweide, Umwelt- und Naturschutz zu finden.

Es ist uns ein großes Anliegen, in Zukunft bei der Anlage von Blühflächen sofort gebietseigene, nachhaltige Mischungen einzusetzen ohne vorher gut gemeinte „Psychotope“ wie z.B. die Mössinger Mischung zu verwenden. Auf diesem Weg lässt sich die Artenvielfalt dauerhaft sichern. Dazu möchten wir die Forschungsergebnisse der Studie ProSaum der Uni Osnabrück zur Etablierung mehrjähriger artenreicher Krautsäume nutzen.

Für die fachliche Beratung durch Reinhard Witt vom Naturgarten e.V., Holger Loritz vom Netzwerk Blühende Landschaft und Ernst Rieger von der Saatgutfirma Rieger-Hofmann sind wir besonders dankbar.

 

Bienen streicheln im Bienenprojekt

Bienen streicheln im Bienenprojekt

 

Imkerinnen und Imker, die selbst Blühflächen angelegt oder bei der Anlage mitgewirkt haben, möchten wir bitten, uns Informationen und Fotos dazu zu schicken.

Unser Ziel ist die Erstellung einer Landkarte mit den bereits existierenden Blühprojekten zur Vernetzung aller beteiligten Gruppen.


Gregor und Ulrike Rohlmann, Lüdenscheid

Obleute für Bienenweide, Umwelt- und Naturschutz, LV Westfälischer und Lippischer Imker

 

 

 

 

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